Porto und Gebühren im Briefpostverkehr mit Frankreich 1868-1871
für den Norddeutschen Postbezirk

Reimer Hansen


Es werden folgende Sendungsarten betrachtet: Briefe, Warenproben, Drucksachen, Handels- und Geschäftspapiere und die recommandirte Versendung auch mit Rückschein. Ab 1.1.1871 konnten Correspondenzkarten zum jeweiligen Tarif für Briefe nach Frankreich versandt werden. Sie werden daher nicht extra in den unten stehenden Tarifsätzen aufgeführt. Da in den unten genannten Postverträgen die Wertbriefe mit aufgeführt werden, sollen sie hier mitbetrachtet werden, obwohl sie posttechnisch zur Fahrpost gerechnet werden.

Im Teil I werden die Tarife zu den grundlegenden Postverträgen mit Frankreich behandelt und an Belegen erläutert. Anschließend werden im Teil II einige Bemerkungen zu den besonderen Verhältnissen während des Krieges 1870/71ergänzt und dazu Belege gezeigt.

I. Postverträge mit Frankreich

Grundlagen für die Portosätze und Gebühren bildeten die Postverträge zwischen Preußen, Thurn & Taxis, Baden bzw. Bayern und Frankreich, da es noch keinen Postvertrag zwischen dem Norddeutschen Bund und Frankreich gab. Diese galten in den zum Zeitpunkt des Abschlusses der Verträge geltenden Grenzen der bezeichneten Staaten. Dies hatte insbesondere zur Folge, dass in dem nach dem Deutschen Krieg stark ausgeweiteten Preußen in der NDP-Zeit unterschiedliche Postverträge für den Briefpostverkehr mit Frankreich galten.

A. Postverträge zwischen Preußen und Frankreich

a) Postvertrag vom 21.5.1858 betreffend Briefe, Warenproben und Drucksachen
Gültigkeitsbereich auf deutscher Seite:

  • Preußen
  • die von der preußischen Post verwalteten Postgebiete:

Herzogtum Anhalt-Dessau-Cöthen  *)

Herzogtum Anhalt-Bernburg  *)                 *) seit 1863 Herzogtum Anhalt

Fürstentum Birkenfeld (Großherzogtum Oldenburg)
Fürstentum Waldeck
Enklave Allstedt (Großherzogtum Sachsen-Weimar)
Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen (ohne die Enklaven Arnstadt, Gehren - Groß-Breitenbach)
Enklaven Frankenhausen, Schlotheim (Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt)

  • für Sendungen in französischen oder preußischen Briefpaketschlüssen aus oder nach

Königreich Sachsen
Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz
Großherzogtum Oldenburg (ohne Fürstentum Lübeck)
Herzogtum Braunschweig
Herzogtum Sachsen-Altenburg

auf französischer Seite:

Frankreich und Algerien


b) Additionalvertrag vom 20.12.1861 betreffend Wertbriefe
Gültigkeitsbereich wie a) zusätzlich Königreich Hannover

c) Additionalvertrag vom 3.7.1865 betreffend Briefe, Warenproben, Drucksachen, Handels- und Geschäftspapiere und Wertbriefe
Gültigkeitsbereich wie b)

d) Vereinbarung zwischen Preußen und Frankreich:
Ab 1.1.1867 galten die oben genannten Postverträge auch für die neue preußische Provinz Schleswig-Holstein einschließlich Fürstentum Lübeck.


Dies bedeutet, dass in Preußen diese Verträge maßgeblich waren bis auf die Regierungsbezirke Cassel (inkl. der ehemals bayrischen Gebiete) und Wiesbaden, die Hohenzollernschen Gebiete und die vor 1866 bayrische Enklave Caulsdorf.


Aufgrund dieser Verträge bestanden für Sendungen zwischen den genannten Gebieten ab 1.1.1868 folgende Portosätze und Gebühren:

Briefe
Für Briefe gab es zwei Tarifzonen und einen Grenzbereich:
1. Tarifzone:  die preußische Provinz Rheinland (Regierungsbezirke Aachen, Coblenz, Cöln, Düsseldorf und Trier)  und das Fürstentum Birkenfeld
2. Tarifzone: alle übrigen oben genannten Gebiete
Grenzbereich: Sendungen zwischen Postorten im Regierungsbezirk Trier und Postorten in den an diesen Regierungsbezirk angrenzenden Departements Frankreichs, die in gerader Linie nicht weiter als 30 km entfernt lagen.

Briefe konnten frankiert und unfrankiert abgesandt werden.
Je 10 Gramm Gewicht waren zu entrichten:

 

Deutschland -> Frankreich

Frankreich -> Deutschland

 

frankiert

unfrankiert

frankiert

unfrankiert

Zone 1

3½ Gr.

50 cent.

40 cent.

4 Gr.

Zone 2

4½ Gr.

60 cent.

50 cent.

5 Gr.

Grenzbereich

2 Gr.

20 cent.

30 cent.

2½ Gr.

 

RH01 Preussen bar

Ein Brief erster Gewichtsstufe aus der Rheinprovinz von Cöln nach Cette mit 3½ Gr. bar bezahlt und mit Franco-Stempel COELN F. N 1 versehen wurde am 14.6.1869 über Belgien (Grenzübergangsstempel: PRUSSE ERQUELINES 3) versandt. Der rote P.D. Stempel zeigt an, dass das Porto korrekt bezahlt wurde.

 

RH02 Preussen unfrankiert

Aus Berlin ein unfrankierter Brief  am 14.11.1868 nach Bordeaux mit französischem Taxstempel 6 décimes (60 cent.) mit dem Grenzübergangstempel PRUSSE FORBACH 4.

 

Grenz 1

Dieser Brief [JM] vom 27.2.1868 zum Grenztarif aus Saarbrücken ins 15 km entfernte Saargemünd konnte mit 2 Gr. frankiert werden. Wiederum erfolgte die Kennzeichnung mit dem PD für die korrekte Frankierung. Der Grenzübergangsstempel PRUSSE FORBACH AMB. C ist nur schwer lesbar. Das AMB(ulant) ist die französische Bezeichnung für eine postalische Behandlung im Zug.


Recommandirte Briefe mussten vorausbezahlt werden. Die Gebühr betrug zusätzlich zum Briefporto 4 Gr. bzw. 50 cent.

JM120

Dieser 19 g schwere Brief [JM] der 2. Gewichtsstufe wurde am 8.12.1871 recommandirt  von Berlin nach Paris gesendet. Daher war er mit 13 Gr. zu frankieren (2×4½ +4). Ein schwarzer kleiner gerahmter PD Stempel kennzeichnet die korrekte Frankierung. Der Grenzübergangstempel PRUSSE – AVRICOURT 4 zeigt, dass der Grenzübergang seit der Annexion von Elsass-Lothringen verlegt worden ist.

 
Briefe in reinen Staatsdienstangelegenheiten waren portofrei, wenn die Portofreiheit sowohl für den Absender als auch für den Empfänger jeweils in ihrem Lande galt. Für Briefe, bei denen die Portofreiheit nur einseitig galt, war nur das jeweilige Inlandsporto für die Seite zu erheben auf der keine Portofreiheit galt.

 JM63

Dieser Brief [JM] des Außenministeriums, deklariert als königliche Angelegenheit, wurde am 10.8.1869 an das Konsulat in Mühlhausen gesandt. Im NDP-Gebiet genoss dieser Brief Portofreiheit, in Frankreich galt dies aber nicht für das norddeutsche Konsulat. Als französisches Inlandsporto wurde der Portoanteil gerechnet, der der französischen Post vertragsgemäß zustand. Dies waren bei einem Portosatz von 4½ Gr. 2½ Gr. Der Brief war 1 1/20 Lot = 17,5 g schwer, also war die 2. Portostufe maßgebend. Der Brief wurde bar mit 5 Gr. bezahlt. Der Grenzübergangsstempel ist leider nicht lesbar.

Briefe mit deklarierten Wertpapieren:
Diese Briefe mussten recommandirt versandt werden. Zusätzlich zu den Portosätzen für recomandirte Briefe waren zu zahlen 1¾ Gr. bzw. 20 cent. für je 100 francs oder einen Teil von 100 francs des deklarierten Werts. Die Briefe durften nicht schwerer als 250 g sein, der angegebene Wert durfte 2000 francs nicht übersteigen.

JM61

Dieser 18/20 Lot = 15 g schwere Wertbrief [JM] der 2. Gewichtsstufe  über 300 francs musste recommandirt versandt werden. Das Porto betrug also 2×4½ + 4 + 3×1¾ = 18¼ Gr. wie ausgewiesen. Er wurde am 15.7.1869 von Dresden nach Bordeaux versandt. Der Laufweg ist durch Stempel über Saarbrücken- Forbach-Paris dokumentiert.


Wurde für einen recommandirten Brief mit oder ohne Wert eine Empfangsbestätigung verlangt, so war dafür eine Gebühr von 2 Gr. bzw. 20 cent. zu zahlen.

Muster ohne Wert und Drucksachen
Als Drucksachen galten Journale, Zeitungen, periodische Werke, Broschüren, Musikalien, Kataloge, Prospekte, und Anzeigen verschiedener Art, gedruckt, gestochen, lithographiert, oder autographiert.
Das Porto betrug je 40 g ¾ Gr. bzw. 10 cent.

RH03 Preussen Muster

Dieser als Muster ohne Wert (Des échantillons sans valeur) deklarierte Brief von Aachen nach Lyon war leicht überfrankiert (¼ Gr.) verschlossen in den Briefkasten geworfen worden. Muster ohne Wert mussten aber durch die Post kontrollierbar entweder offen oder durch einen zu öffnenden Verschluss versandt werden. Daher wurde er als unzureichend frankierter Brief (Stempel: Affranchissement insuffisant) auf die Reise geschickt und in Frankreich mit einem Taxstempel über 4 décimes = 40 cent. versehen.

Unzureichend frankierte Briefe wurden als unfrankiert behandelt unter Anrechnung des frankierten Portoteils, in diesem Fall 50 cent. – 1 Gr. aufgerundet 40 cent. Der Brief wurde über Belgien (Grenzübergangsstempel PRUSSE ERQUELINES 3) versandt.

Handels- und Geschäftspapiere, einschließlich von Manuskripten und deren Korrekturen
Das Porto betrug je 200 g 4½ Gr. bzw. 50 cent.

Keine Belege registriert.

Für Muster ohne Wert, Drucksachen und Handels- und Geschäftspapiere bestand Frankierungszwang.

B. Postvertrag zwischen der Thurn & Taxis'schen Postverwaltung und Frankreich
vom 25.11.1861

Gültigkeitsbereich auf deutscher Seite:

mit Talerwährung

Kurfürstentum Hessen
Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach (ohne Enklave Allstedt)
Herzogtum Sachsen-Gotha
Fürstentümer Reuß
Fürstentum Lippe-Detmold
Fürstentum Schaumburg-Lippe
Enklaven Arnstadt, Gehren - Groß-Breitenbach (Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen)
Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck

mit Guldenwährung:

Großherzogtum Hessen
Herzogtum Nassau
Landgrafschaft Hessen-Homburg
Frankfurt a. Main
Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen
Herzogtum Sachsen-Coburg
Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt (ohne Enklaven Frankenhausen und Schlotheim)

auf französischer Seite:

Frankreich und Algerien

Der Vertrag galt in Preußen für die Regierungsbezirke Cassel und Wiesbaden, nicht für die von Bayern an Preußen abgetretenen Gebiete (s. unten unter D.).

Aufgrund dieses Vertrages bestanden für Sendungen zwischen den genannten Gebieten ab 1.1.1868 folgende Portosätze und Gebühren:

Briefe
Für Briefe gab es in Deutschland  2 Tarifzonen:
1. Zone: alle Gebiete bis auf die Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck
2. Zone: Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck

Briefe konnten frankiert und unfrankiert versendet werden.
Je 10 g waren zu entrichten:

 

Deutschland -> Frankreich

Frankreich -> Deutschland

 

frankiert

unfrankiert

frankiert

unfrankiert

 

Groschen

Kreuzer

cent.

cent.

Groschen

Kreuzer

1. Zone

12

50

40

15

2. Zone

 

60

50

Hamburg und Lübeck

6½ Schilling
Bremen 12 Grote

 

 

 

 RH04 TuT 12Kr

Dieser mit 12 Kr. korrekt (PD-Stempel) frankierte Brief von Worms nach Metz wurde am 25.11.1868 über Forbach (Grenzübergangsstempel TOUR-T. FORBACH AMB A.) versandt.

Hamburg TT

Dieser Brief [JM] vom 1.4.1868 aus Hamburg nach Paris war mit 4½ Gr. korrekt frankiert. Der Postweg erfolgte ebenfalls über Forbach jedoch mit dem Grenzübergangsstempel TOUR-T FORBACH 3.

 

Recommandirte Briefe mussten vorausbezahlt werden. Die Gebühr betrug zusätzlich zum Briefporto 4 Gr., 14 Kr.  bzw. 50 cent.
Die Gebühr für Rückscheine zu recommandirten Sendungen betrug 2 Gr., 6 Kr. bzw. 20 cent.

Ein recommandirter Brief wird im Teil II gezeigt.

Briefe mit deklarierten Wertpapieren:
Diese Briefe mussten recommandirt versandt werden. Zusätzlich zu den Portosätzen für recomandirte Briefe waren zu zahlen 2½ Gr., 9 Kr. bzw. 30 cent. für je 100 francs oder einen Teil von 100 francs des deklarierten Werts. Der Brief durfte nicht schwerer als 250 g sein, der angegebene Wert nicht höher als 2000 francs.


Muster ohne Wert und Drucksachen
Als Drucksachen galten Journale, Zeitungen, periodische Werke, Broschüren, Musikalien, Kataloge, Prospekte, und Anzeigen verschiedener Art, gedruckt, gestochen, lithographiert, oder autographiert.
Das Porto betrug je 40 g ¾ Gr., 3 Kr. bzw. 10 cent. Es bestand Frankierungszwang.

C. Postverträge zwischen Baden und Frankreich

a) Postvertrag betreffend Briefe und Kreuzbandsendungen
vom 29.12.1856

Gültigkeitsbereich auf deutscher Seite

Großherzogtum Baden
deutsche Postvereinsländer für Sendungen durch Baden

auf französischer Seite

Frankreich und Algerien

b) Additionalvertrag betreffend Wertbriefe, Handels- und Geschäftspapiere und  Warenproben
vom 27.11.1867, ratifiziert 3.1.1868.

Gültigkeitsbereich auf deutscher Seite

Großherzogtum Baden

sowie für Sendungen, die über Baden geleitet werden, aus und nach

Königreich Sachsen
Königreich Württemberg
Herzogtum Sachsen-Altenburg
Fürstentümer Hohenzollern

auf französischer Seite

Frankreich und Algerien


Diese Verträge waren bezüglich des NDP ab 1.1.1868 nur relevant für die hohenzollernschen Fürstentümer und soweit Sendungen aus Sachsen über Baden nach Frankreich geleitet wurden.
Aufgrund dieser Verträge bestanden für Sendungen zwischen den genannten Gebieten ab 1.1.1868*) folgende Portosätze und Gebühren:

*) Da der unter b) genannte Additionalvertrag erst am 3.1.1868 ratifiziert wurde, ist ein etwas späterer Gültigkeitsbeginn für die dort genannten Sendungen zu vermuten. Ein Datum ist aus den mir bekannten Quellen nicht zu entnehmen.

Briefe
Das Porto war aufgeteilt in deutsches und fremdes Porto, die Gewichtsprogression war jeweils unterschiedlich:

 

deutsches Porto

fremdes Porto

 

je 1 Lot exklusiv

je 9/20 Lot = 7½ g inklusiv *)

nach Frankreich frankiert

3 Kr.

6 Kr.

nach Frankreich unfrankiert

10 cent.

30 cent.

 aus Frankreich frankiert

10 cent.

20 cent.

aus Frankeich unfrankiert

3 Kr.

9 Kr.

*) ab 1870 je  ½ Lot =  8,3 g incl. für frankierte Briefe

Recommandirte Briefe mussten frankiert sein. Es waren zusätzlich zum Briefporto 12 Kr., ab 1870 13 Kr. zu entrichten.
Die Gebühr für Rückscheine (Retourrecepisse) zu recommandirten Briefen nach Frankreich betrug 6 Kr.

Briefe mit deklariertem Wert
Diese Sendungen mussten frankiert und recommandirt versendet werden. Zusätzlich war für jede 100 francs bis 2000 francs eine Versicherungsgebühr von   6 Kr. oder 20 cent. zu entrichten.

Kreuzbandsendungen
a) Zeitungen, Journale und Periodische Schriften: Porto je 45 g = 2 ⁷/10 Lot  3 Kr.

Wenn mehrere Zeitschriften in einem Bund verschickt wurden, war das Porto für jede Zeitschrift getrennt zu berechnen.

b) Geheftete Bücher, Broschüren, Musikalien, Kataloge, Prospekte, gedruckte, gestochene, lithographierte oder autographierte Anzeigen und Avise: Porto je 15 g = ⁹/10 Lot 2 Kr.

Handels- oder Geschäftspapiere, Manuskripte und Korrekturen
Porto je 12 Lot. = 200 g 15 Kr. oder 50 cent.

Warenproben
Porto je 40 g = 2 ⁴/10 Lot  bis 250 g 3 Kr. oder 10 cent.

Kreuzbandsendungen, Handels- und Geschäftspapiere und Warenproben mussten frankiert sein.

Sendungen aus Hohenzollern nach Frankreich sind nicht registriert. Jedoch kann ein Brief gezeigt werden, der aus Sachsen über Baden nach Frankreich versandt wurde:

 JM67

Dieser Brief [JM] aus Werdau (Sachsen) nach Mulhouse wurde gemäß dem Postvertrag Preußen –Frankreich mit 4½ Gr. frankiert und am 3.6.1870 auf den Weg nach Frankreich geschickt. Der Grenzübergangsstempel BADE –STRASBOURG 4 zeigt, dass er über die badische Post nach Frankreich gesandt wurde. Dies erklärt auch die blaue Weiterfrankatur von 1¾ (Gr.). Nach dem badischen Postvertrag betrug das  fremde Porto für einen Brief bis ½ Lot 6 Kr. oder 1¾ Gr. So erhielt die französische Post nicht die 2½ Gr., die ihr aus dem Postvertrag mit Preußen zugestanden hätten.


D. Postverträge zwischen Bayern und Frankreich (einschl. Algerien)

a) Postvertrag betreffend Briefe, Warenproben und Drucksachen
vom 19.3.1858

b) Additionalvertrag  betreffend Wertbriefe
vom 9.5.1864

Diese Verträge galten für die nach dem Deutschen Krieg 1866 von Bayern an Preußen abgetretenen Gebiete (Kreis Gersfeld mit den Postorten Gersfeld, Hilders, Schmalnau, Tann, Weyhers und Wüstensachsen sowie Caulsdorf und die Stadt Orb sowie das nahegelegene Burgjoss).
Aufgrund dieser Verträge galten ab 1.1.1868  folgende Portosätze und Gebühren, wobei in allen Postorten außer Caulsdorf die angegebenen Portosätze in die Talerwährung umzurechnen waren:

Briefe
pro 10 g waren zu entrichten:
nach Frankreich: frankiert 12 Kr. unfrankiert 60 cent.
aus Frankreich: frankiert 40 cent. unfrankiert 18 Kr.

Für recommandirte Briefe war zusätzlich eine Gebühr von 12 Kr. bzw. 40 cent. zu entrichten. Diese Briefe mussten frankiert sein.
Die Gebühr für einen Rückschein betrug 6 Kr. bzw. 20 cent.

Für Briefe mit deklariertem Wert war zusätzlich zum Briefporto und zur Recommandationsgebühr eine Versicherungsabgabe von 9 Kr. bzw. 30 cent. pro 100 francs zu entrichten. Der maximale Wert betrug 2000 francs.

Drucksachen und Warenproben
Porto pro 40 g: 3 Kr. bzw. 10 cent.
Drucksachen und Warenproben mussten frankiert sein.

Sendungen aus den ehemals bayrischen Gebieten sind nicht registriert.

 

II. Der Krieg 1870/71

Mit der Mobilmachung am 16. Juli 1870 wurde der normale Postverkehr durch den Truppenaufmarsch per Eisenbahn behindert und durch die Kriegshandlungen ab August insbesondere der wichtige Grenzübergang Saarbrücken – Forbach  unzugänglich, so dass Umwege für die Beförderung der Post in das unbesetzte Frankreich gefunden werden mussten. Zunächst war noch eine Postversendung im Norden über Belgien in den Nordosten Frankreichs per Bahn möglich, später wurde die Post über Belgien oder England mit Schiffsverbindungen nach Frankreich versandt.

Aus Süddeutschland erfolgte die Versendung über die Schweiz. Aus dem NDP sind private Korrespondenzen in diese Richtung nicht registriert, jedoch gibt es wenige Sendungen französischer Gefangener.

Die Versendungen über Belgien erfolgten zu den oben genannten Tarifen. Briefe über England, die ab 9.10.1870 ermöglicht wurden, kosteten 2½ Gr. pro Lot incl. bis England und 2 pence (1¾ Gr.) pro ½ Lot incl. von England nach Frankreich, also insgesamt 4¼ Gr. für einen Brief bis ½ Lot und 6 Gr. für einen Brief bis 1 Lot.

JM92

Dieser recommandirte Brief [JM] war 11/20 Lot schwer und daher knapp noch ein Brief der 1. Gewichtsstufe (bis 10g = 12/20 Lot). Also war er mit 12+14 = 26 Kr. zu frankieren. Er wurde am 13.8.1870 von Mainz über Belgien (Grenzübergangsstempel TOUR-T. ERQUELINES 2) nach Paris gesandt. Der normale Weg über Forbach war nicht möglich, aber der übliche Weg über Belgien war noch offen.

JM77

Dieser Brief [JM] wurde am 21.10.1870 von Magdeburg über Belgien, London und Calais nach Cognac gesandt. Das Porto von 4¼ Gr. wurde bar bezahlt. Vermerkt sind zusätzlich: der Londoner PAID-Stempel, das Weiterfranco von England nach Frankreich mit -/2 (0 shilling / 2 pence), die beiden PD Stempel für die korrekte Frankatur und der Grenzübergangsstempel von England nach Frankreich (… AMB CALAIS 3).

 

Ab 10.9.1870 war der zivile Postverkehr in den besetzten Gebieten durch eine  entstehende deutsche Postverwaltung erlaubt. Briefpostsendungen in dieses Gebiet konnten zum Inlandstarif versandt werden. Für Sendungen aus diesem Gebiet in das NDP-Gebiet waren entsprechende Tarife in der Franc-Währung gültig:

Briefe: bis 15 g 10 cent., darüber hinaus 25 cent.

Recommandations-Gebühr: 25 cent.

Correspondenzkarten: 10 cent.

Drucksachen: pro 40 g 4 cent.

Warenproben: pro 40 g 4 cent.

Briefe mit Wertangaben: Porto bis 15g 35 cent., darüber hinaus 50 cent.; Assecuranzgebühr 10 cent. pro 100 francs.

Durch Verordnung vom 28.12.1870, bekannt gemacht am 10.1.1871, wurde das Porto für den einfachen Brief aus dem Okkupationsgebiet in den NDP von 10 auf 15 centimes erhöht.

JM100

Dieser recommandirte Brief [JM] nach Reims wurde am 16.3.1871 in Berlin mit 3 Gr. Inlandsporto  bar bezahlt.

RH05 Krieg EL NDP Brief

Dieser Brief aus Straßburg nach Klein-Ottersleben bei Magdeburg konnte am 31.12.1870 noch für 10 centimes versandt werden.

Nach Abschluss eines Vorfriedensvertrages wurde Elsass-Lothringen annektiert und die Postverwaltung in den übrigen besetzten Gebieten wieder an Frankreich zurückgegeben. Die oben genannten Tarife galten ab 24.3.1871 dann nur noch für Elsass-Lothringen und der übrige Postverkehr aus dem NDP-Gebiet nach Frankreich normalisierte sich wieder.

RH06 Krieg EL NDP Drucks

Diese Drucksache wurde am 5.8.1871 von Straßburg nach Frankfurt (Main)  versandt.

JM90

Dieser Brief [JM] wurde zum Inlandstarif am 7.4.1871 von Lübeck nach Blois in den nicht mehr besetzten Teil Frankreichs versandt und daher in Frankreich als unzureichend frankiert (affr. ins.) mit 4 décimes Nachporto belegt. 

Die Posttarife zwischen den besetzten (annektierten) und unbesetzten Teilen Frankreichs (Doppelporto) sind nicht Gegenstand dieses Beitrages.

 

Quellen

Die oben genannten Postverträge sind über das Projekt Postverträge (siehe

www.dasv-postgeschichte.de) einsehbar, großenteils aber nur als französischer Text.

Zu den badischen Tarifen mit Frankreich gibt es für die ab 1867 und ab 1870 gültigen Tarife Kopien der Verfügungen der badischen Postverwaltung in der Schrift von Rainer Brack „Handbuch der Badischen Posttarife für das Postvereins-Ausland 1851 – 1871“, Arbeitsgemeinschaft Baden, 1992.

Alle mit [JM] gekennzeichneten Abbildungen stammen aus der Sammlung von Jan Mazánek, die als Buch „Norddeutscher Bund/Deutsches Reich – Frankreich 1868 bis 1871“ in der Schriftenreihe Nr. 63 der Arbeitsgemeinschaft NDP veröffentlicht wurde.  In diesem Buch finden Sie auch ausführliche Informationen zu dem Krieg 1870/71, der hier nur sehr kurz abgehandelt wurde.

Zu dem Thema Doppelporto verweise ich auf die Schrift von Friedrich Spalink „Doppelporto und Doppelfrankierung 1870 bis 1872 (Schriftenreihe der Arge NDP Nr. 46), sowie für die Auslandspost aus den besetzten Gebieten auf das Buch von Rudolf Schild „1870/71 Zeugen eines überflüssigen Krieges“ (Schriftenreihe der Arge NDP Nr. 61).   

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